Wir werden in einem bestimmten Augenblick geboren, an einem bestimmten Platz, und haben, wie der Jahrgang eines Weines, die Qualität des Jahres und der Jahreszeit, in der wir zur Welt kamen. Nicht mehr und nicht weniger behauptet die Astrologie.
C.G. Jung

Die westliche Astrologie hat ihre Ursprünge in vorchristlicher Zeit in Babylonien bzw. Mesopotamien und Ägypten. Aus ihr ging die Astronomie als mathematische Erfassung des Sternenhimmels hervor.
Bis zu Beginn der Neuzeit war die Astrologie ein fester Bestandteil der Wissenschaft. In der Renaissance erlebte sie ihre Blütezeit, die bis in das späte 17. Jahrhundert andauerte. An Höfen und Universitäten wurde sie mit der Astronomie und Medizin verknüpft und hatte eine hohe Bedeutung. Die Deutung der Zeitqualität wurde seit jeher sowohl durch ein politisches als auch religiöses Interesse bestimmt. Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts Erkenntnisse von Isaac Newton, Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler mehr und mehr an Bedeutung gewannen, die sich zunehmend einer mechanistischen Betrachtung des Universums und der Universalisierung der Naturgesetze zuwendeten, verschwand die Astrologie mehr und mehr aus der offiziellen akademischen Welt.

Was ist psychologische Astrologie?

Heute gibt es eine Vielzahl astrologischer Richtungen und Schulen, deren Schwerpunkte und auch Arbeitsweisen sich mitunter deutlich voneinander unterscheiden. Die klassische Astrologie umfasst die Geburtsastrologie genauso wie die Mundanastrologie (auf das Weltgeschehen bezogen) und die Stundenastrologie, bei der der Astrologe kein Geburtsdatum benötigt, sondern ein Horoskop auf den Moment erstellt, in dem die Frage bei ihm ankommt. Zu letzterer Methode zählt nicht nur der Bereich der Fragehoroskope, sondern auch die sogenannten Begegnungshoroskope, sowie die Wahl eines günstigen Zeitpunktes (Elektionshoroskop). Die moderne psychologische Astrologie, die meiner Arbeit zu Grunde liegt, ist eine Symbolsprache, die das Geburtshoroskop als Instrument der Selbsterkenntnis nutzt. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf innere Prozesse der seelischen Entwicklung, die für die Selbstentfaltung und die individuelle persönliche Weiterentwicklung hilfreich sein können. Für Fragen, die einen Anspruch auf eine konkrete Antwort beinhalten, eignet sich die psychologische Astrologie nicht.

Während die Astrologen früher eher annahmen, dass der Mensch determiniert und sein Schicksal weitgehend vorherbestimmt sei, geht man in der heutigen sogenannten modernen Astrologie überwiegend davon aus, dass ein Mensch mit bestimmten Anlagen geboren wird und sein Schicksal größtenteils selbst bestimmen kann. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen – denn andernfalls wären wir wohl alle schon Millionäre.

Mit Hilfe der psychologischen Astrologie nutzen wir den Blick in den Himmel, um sozusagen von oben auf uns selbst zu schauen. Durch diesen Abstand zu uns selbst können wir verstehen lernen, welche Dispositionen uns sozusagen mit in die Wiege gelegt worden sind und welche Bedingungen wir brauchen, um uns entfalten zu können. Wir lernen uns selbst besser zu verstehen, erkennen Handlungsspielräume und lernen, diese besser zu nutzen. Das Geburtshoroskop hilft uns, Zusammenhänge unseres innerpsychischen Prozesse sichtbar zu machen. Jeder Mensch ist eine einmalige und kostbare Persönlichkeit und hat bei seiner Geburt wertvolle Werkzeuge mit auf den Weg bekommen, um sein Leben meistern zu können. Diese sind im Geburtsbild sichtbar, nicht aber, wie er diese Werkzeuge nutzt und was er aus seinen Anlagen gemacht hat.

 

Astrologie und Wissenschaft

Wissenschaft beschreibt ein mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisches, methodisches Forschen über die wesentlichen Gesetzmäßigkeiten und kausalen Zusammenhänge der Natur, Technik, Gesellschaft und des Denkens. Die Grundlagen jedes wissenschaftlichen Arbeitens ist die Verankerung in Form von Begriffen, Kategorien, Maßsystemen, Definitionen, Gesetzen, Theorien und Hypothesen. Neben den Naturwissenschaften ist die Einteilung in Sozial- und Geisteswissenschaften verbreitet, die sich z.B. mit kulturellen, geistigen, medialen, sozialen, soziologischen, historischen, politischen und religiösen Erscheinungen beschäftigen.

In den Naturwissenschaften gelten die Annahmen der Astrologie als endgültig widerlegt. Da man Astrologie nicht auf wissenschaftliche Beweise zurückführen könne und ihr somit jegliche wissenschaftliche Grundlage fehle, könne sie in keiner Weise ernst genommen werden. Kaum eine Lehre wird so kontrovers diskutiert wie die Astrologie. Die einen betiteln sie als Pseudowissenschaft, die anderen bezeichnen sie als Wahrsagerei und Aberglaube oder werfen ihr vor, nur mit allgemeingültigen Aussagen („Sie brauchen die Zuneigung und Bewunderung anderer“ ) zu arbeiten. Andere hingegen glauben fest an die Macht der Himmelskörper und deren Auswirkung auf das menschliche Leben und versuchen mit Hilfe der Astrologie Antworten auf ihre Zukunftsängste zu finden. In den Zeitungen und im Fernsehen finden sich viele zweifelhafte astrologische Angebote, die einen trivialen und oberflächlichen Unterhaltungscharakter haben. Daneben gibt es zahlreiche Psychologen, Soziologen, Philosophen, Naturwissenschaftler, Menschen mit einem hohen Bildungsniveau, die trotz ihres naturwissenschaftlichen Hintergrundes eine andere Art von Astrologie betreiben.

Noch heute ist unsere Wahrnehmung darauf trainiert, die materiellen Erscheinungsformen um uns herum zu ordnen und die Welt, den Kosmos und alle darin enthaltenden Erscheinungen wissenschaftlich zu erklären. Inzwischen wird aber auch das mechanische Weltbild infrage gestellt. Die Quantenphysik hat die fest naturwissenschaftliche Art der Weltanschauung erschüttert; man kann längst nicht alles mathematisch berechnen und mit dem Ursache-Wirkung-Prinzip erklären.

Dennoch bleibt der Astrologie bis heute die Anerkennung als Wissenschaft verwehrt. Zumindest Astrologen und Naturwissenschaftler finden keinen gemeinsamen Nenner. Was Astrologie bedeutet, wo ihre Qualitäten aber auch ihre Aussagegrenzen liegen, wird deshalb jeder Einzelne zumindest noch vorläufig nur an seinen eigenen Erfahrungswerten messen können.

Ich persönlich lade Sie ein, eine Portion Offenheit mitzubringen, der Welt wach und interessiert zu begegnen, ohne kritiklos zu sein. Es gibt kein besseres Argument als die eigene Erfahrung!